Refa-Netzwerktreffen bei Friesland Campina

Wie viel Flexibilität in Arbeit 4.0 ist nötig?

Werksfoto Lippstadt
Der Standort Lippstadt mit 273 Beschäftigten und einer Produktionsleistung von 77.000 Tonnen, die sich auf die Bereiche Compounts, Vending professional und Premixes aufteilen, stellte sich den Refa Vertretern aus dem Bereich Nahrung und Genuss vor. Das Werk beeindruckte durch eine perfekte Betriebsorganisation, Prozessvisualisierung und dem beachtenswerten Engagement im Bereich Sicherheit. Der Geschäftsführer Daniel Grundke stellte neben dem vielschichtigen Produktportfolio auch die drei Sprühtrocknungstürme, sowie die zwei Agglomerationslinien und die verschiedenen Mischaggregate vor. Die Prozess- und Reinigungsanforderungen, sowie das Anfahren der komplexen Anlagen stellen die besonderen technologischen Organisationsanforderungen des Werkes dar.
Wolfgang Schmolke, Gründer und Inhaber von Schmolke & Partner - Human Resources Management, zeigte anschaulich in einem Praxisworkshop unter der Überschrift „Wir machen Teams“, wie wichtig die Teambildung in der Arbeitswelt ist. Die Unterschiedlichkeit von individuellen Teamrollen kann in einem strukturierten Analyseblatt ermittelt werden.
vlnr: Uwe Grebe, Refa Vorsitzender; Daniel Grundke, Geschäftsführer Friesland Campina; Wolfgang Schmolke, Schmolke und Partner; Axel Kaufmann; Bundesinstitut für Berufsbildung; Dr. Ralf Wimmer, Geschäftsführer Arbeitgeberverband NRW; Prof. Dr. Jens Wetterau, Hochschule Niederrhein.
Aus den einzelnen Teamrollen ergibt sich durch eine praxisorientierte Visualisierung ein Gesamtbild aus dem zielführende Erkenntnisse gesichtet und bewertet werden können. Die individuelle Orientierung auf Denk- und Problemlösung, Handlung und Tätigkeit, sowie Kommunikation und Mensch, bringt acht Teamtypen mit unterschiedlichen Schwerpunkten hervor. In einem effektiven und erfolgreichen Team sollte ein ausgewogenes Vorkommen der verschiedenen Rollen gegeben sein. Sollte dies einmal nicht der Fall sein oder die Abwesenheit einer speziellen, vielleicht wichtigen Rolle festgestellt werden, gibt es unterschiedliche Ansätze, wie die fehlende Kompetenz „aufgefangen“ werden kann. Auch können zu viele gleiche „Rollen“ in einem Team, wie z.B. Antreiber, Koordinatoren oder Entwickler zu vorhersehbaren Störungen führen. Auch hier gilt es gezielt zu prüfen, wie die Rollenverteilung optimal ausgestaltet werden kann. „Wichtig ist, dass das vorgestellte Instrument nicht das alleinige Patentrezept für erfolgreiche Teams darstellt. Durch die Visualisierung des Status Quo und der sich daraus ergebenden Erkenntnisse unterstützt es aber schnell und nachvollziehbar zu einer motivierenden und nachhaltigen Teamperformance zu gelangen“, so der Referent.

Wie viel Arbeitszeitflexibilität in der Arbeit 4.0 nötig ist und wo die Ansätze dafür zu suchen sind, zeigte der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Ernährungsindustrie Nordrhein Westfalen, Dr. Ralf Wimmer.
vlnr: Uwe Grebe, Refa Vorsitzender; Daniel Grundke, Geschäftsführer Friesland Campina; Wolfgang Schmolke, Schmolke und Partner.
Die Frage nach der Prägung der Industrie-Unternehmen von heute wird beantwortet mit: stark arbeitsteilige Arbeitsorganisation, v. a. in der Produktion, hochautomatisiert, eher bürokratische und regelbasierte Arbeitsorganisation, viele einzuhaltende Vorschriften, hierarchische Führungssysteme, überwiegend ortsgebundene Arbeit und oft stark reglementierte Nutzung von Internet und Social Media in Betrieben. Arbeitszeitflexibilisierung/ Wahlarbeitszeit und Demografie werden die Entwicklung in der Arbeitszeit stärker beeinflussen. Gute Arbeitsatmosphäre, Planbarkeit und flexible Arbeitszeiten sehen Manager von morgen in einer Umfrage im Fokus. Für diese Aspekte wären die Deutschen am ehesten bereit ihren Job zu wechseln. Flexibler, gesünder und differenzierter sind die Wünsche der Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung.
Spray Drying bei Friesland Campina
Die Moderne Arbeit steht somit im Kontext von Flexibilität, Rechtssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Individualität. Flexibilisierungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz lassen sich durch betriebliche Nutzung tariflicher Gestaltungs-spielräume ausschöpfen. Beispiele dafür sind flexible Schichtarbeit, mobiles Arbeiten und Wahlarbeitszeit.

Die Erwartungen und Anforderungen der Ausbildung im digitalen Wandel, sowie die Ergebnisse der aktuellen Maßnahmen zeigte Axel Kaufmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn. Aufgabe ist es, die betriebliche Ausbildungsgestaltung an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen. Die IT-gestützte Fehlerdiagnose, Netzwerkstrukturen, digitale Regelungstechnik und IT-orientierte Dokumentenanalyse werden beispielsweise viel stärker als bisher in technische und elektrische Berufsbilder integriert. Die Digitalisierung wird somit als Rahmenbedingung in das System einfließen, aber auch die Ausbildungsgestaltung im Einzelberuf stark beeinflussen.

Arbeit 4.0 und die vielschichtigen Herausforderungen für die Lebensmittelbranche werden auch zukünftig im Fokus des Refa-Netzwerkes sein, um den nötigen Input für erfolgreiches betriebliches Handeln zu bekommen, so der Refa Vorsitzende und Tagungsleiter Uwe Grebe abschließend.

Zurück