Zukunftsfähigkeit von Unternehmen im Blick

 
Die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) in Solingen war kürzlich Gastgeber des Netzwerkes Ernährungswirtschaft der Refa Branchenorganisation Nahrung und Genuss. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Andreas Bertram stellte die Zentralfachschule vor und erläuterte die vielschichtigen Ausbildungsformen, die von diversen Aus- und Weiterbildungen im Süßwaren- und Lebensmittelbereich bis hin zu Seminaren und Kongressen reichen. Sowohl die schulischen Ausbildungsmöglichkeiten als auch die Fachveranstaltungen an der ZDS dienen nicht nur der aktuellen Wissensvermittlung, sondern sorgen als zentraler Treffpunkt der gesamten Süßwarenbranche dafür, dass ein ausgeprägtes Business-Netzwerk entsteht und permanent gepflegt wird. Seit mehr als 65 Jahren wird an der ZDS Theorie und Praxis zeitgemäß vermittelt – nicht zuletzt dank der zahlreichen praktischen Verfahrensanlagen und Technika auf Top-Niveau.

Sind Unternehmen attraktive Arbeitgeber, und wie lässt sich die in- und externe Reputation eines Betriebes in Zeiten von Fach- und Führungskräftemangel erhöhen? Mit diesen Fragen stieg Uwe Grebe, Management Consulting, Flow account 5.4 als Prozessbegleiter der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Initiative Neue Qualität der Arbeit, INQA, in seinen Vortrag über „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ ein. Der demografische und digitale Wandel sowie veränderte Bedürfnisse in der Arbeitwelt stellen zunehmend große Herausforderungen für Unternehmen dar. Sie zeigen sich im Wunsch nach einem guten Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten sowie in spannenden Tätigkeiten und günstigen Arbeitsbedingungen. Das dazu entwickelte Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ wurde von den Sozialpartnern entwickelt, um diesen Heraus-forderungen zu begegnen. Der Prozess zeigt Unternehmen und Verwaltungen den Weg in die Zukunft. Er baut auf die Säulen Führung, Chancengleichheit & Diversität, Gesundheit sowie Wissen & Kompetenz und baut faire, verlässliche Arbeitsbedingungen im Wandel der Arbeit auf. Der Einstiegsprozess analysiert den Betreib mit einer Befragung von Mitarbeitern und Geschäftsführung und mündet in einen Maßnahmenplan. Jeder Prozessschritt ist mit Gewerkschaften und Arbeitgebern, also sozialpartnerschaftlich, abgestimmt. Im anschließenden Entwicklungsprozess erfolgt die Umsetzung der Maßnahmen mit den Mitarbeitern. Mit der erfolgreichen Umsetzung wird die Auszeichnung „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ vom Bundesminister persönlich an den Betrieb überreicht. „Diese zeigt die Qualität des Prozesses, der sich von allgemeinen Siegeln absetzt und ein wertschätzender Mehrwert für Unternehmen ist“, so der Referent. Eine anschließende Diskussion zeigte die Notwendigkeit, sich der zukunftsorientierten Unternehmenskultur zu stellen und gab dem INQA-Audit gute Noten.

Katharina Hübner, Meisterin Produktion bei der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG, Bielefeld, beschrieb sehr praxisorientiert die Qualifikationen in der technologisch hochentwickelten Lebensmittel-Produktion. Es hat einen erheblichen Wandel in der Produktion von Lebensmitteln gegeben, der sehr vielschichtig und interessant, aber leider bei vielen Schulabsolventen nicht bekannt ist. Waren früher bei der Abfüllung mit Löffel und einer Leistung von 3 Beutel pro Minute handwerkliches Geschick und Genauigkeit gefragt, so braucht es heute bei der Automatisation der Produktion und der Abfüllung, mit zusätzlichen Kontrollen der Qualität, der Endverpackung und automatischen Palettierung von ca. 600 Beutel pro Minute, erhebliches technisches Verständnis und eine umfangreiche Ausbildung. Der Zugang aus allen Schulformen ist möglich, Ausbildungsberufe sind Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Industriemechaniker, Elektroniker und Mechatroniker, da vielfältige Einsatzmöglichkeiten abteilungsübergreifend in der Technik und Zusatzqualifikationen, wie Fachkraft für digitale Fertigungsprozesse, erwartet werden. Die Ausbildungsdauer beträgt 3 – 3,5 Jahre und ist den hohen Anforderungen der modernen Lebensmittelproduktion angepasst. Die Referentin forderte dazu auf, Berufseinsteigern die zahlreichen, vielschichtigen und vor allem zukunftsorientierten Chancen, die in einer beruflichen Entwicklung in der Ernährungsindustrie stecken, stärker zu vermitteln.

„Smarte Verpflegung in modernen Arbeitswelten“, hieß es anschließend in einem wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Dr. Wetterau von der Hochschule Niederrhein.
Er stellte fest, dass 40 % der Beschäftigten das Essensangebot in den Betrieben bemängelt, 1/3 meinen sich ungesund zu ernähren und nicht genügend Pausenzeiten für Essen zur Verfügung zu haben. Demgegenüber kommt es aber durch mehr Singlehaushalte, einer höheren Frauenerwerbsquote, dem Faktor Zeit und einer höheren räumlichen Distanz zwischen Wohn-und Arbeitsort zu einer gestiegenen Nachfrage nach betrieblich hochwertigen Verpflegungsangeboten. Ein verändertes Essverhalten hin zu mehr Obst, Gemüse und Milchprodukten sowie dem Wunsch nach vegetarischen, auch individuell veränderbaren Gerichten und einem geringeren Fleischkonsum stellen die Betriebsgastronomie vor neue Herausforderungen. Konzepte bietet die Küche 4.0 mit digitalen Küchengeräten, Kassen- und Warenwirtschaftssystemen sowie das System-Buffet 4.0, in dem die mobilen Module zu den Versorgungsplätzen kommen. Weiter bekommt modernes Vending und Catering eine smarte und ansprechende Bedeutung. Themen wie „eat around the clock“, Bestell-, Liefer- und Gesundheits-Apps entstehen in immer neuen Geschäftsmodellen und tragen den veränderten Wünschen Rechnung.

Verantwortlich Uwe Grebe

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